„Klasse Deutsch“ von Florian Heinzen-Ziob gewinnt den Publikumspreis LÜDIA beim 29. Kinofest Lünen

12 Filmpreise mit Preisgeldern in Höhe von 44.950 Euro
Kinderfilmpreis RAKETE geht an MEIN FREUND DIE GIRAFFE

Am Abend werden bei der feierlichen Preisverleihung des 29. Kinofestes Lünen im Heinz-Hilpert Theater 12 Filmpreise im Wert von 44.950 Euro vergeben. Der mit 10.000 Euro dotierte Publikumspreis LÜDIA geht an den Dokumentarfilm KLASSE DEUTSCH, der auch den Schülerfilmpreis 16+ des Kreises Unna erhält. Regisseur Florian Heinzen-Zioberöffnet einen neuartigen Blick auf die Institution Schule: Eine Kölner Lehrerin hat maximal zwei Jahre Zeit, aus dem Ausland stammende Kinder auf das deutsche Schulsystem vorzubereiten. Wie in jeder Klasse finden sich ehrgeizige Streber und Klassenclowns. Ihre Geschichten zeigen auf, wie wichtig der Spracherwerb dabei ist, Teil einer zunächst fremden Gesellschaft und Kultur zu werden. Florian Heinzen-Ziob nimmt die LÜDIA am Abend persönlich entgegen.

Der Kinderfilmpreis RAKETE, dotiert mit 3.000 Euro, geht an MEIN FREUND DIE GIRAFFE von Barbara Bredero. Sie lässt sich mit viel Witz und Feingefühl auf die Welt des kleinen Schulanfängers Dominik ein – der seinen besten Freund, die (echte) Giraffe „Raff“, nicht mit in die Schule nehmen kann. Obwohl er ihn so dringend bräuchte.

Die mit je 1.600 Euro dotierten Publikumspreise in den Kurzfilmwettbewerben erhalten Jonathan Behrfür FOLLOWER und Alex Schaadfür ENDLING.

Ausgezeichnet werden im weiteren Malik Adanfür JIBRIL (Lüner Schauspielpreis) // Felix Hassenfratzfür VERLORENE (HGW Drehbuchpreis) // Manuel Flurin Hendryfür PAPA MOLL UND DIE ENTFÜHRUNG DES FLIEGENDEN HUNDES (Schülerfilmpreis 10+) // Florian Heinzen-Ziobfür KLASSE DEUTSCH (Schülerfilmpreis 16+) // Genoveva Kylburgfür DAS SCHÖNSTE PAAR (Perle – Preis für Frauen in der Filmbranche, Kategorie Kostümbild) // Melanie Andernach & Andreas Köhlerfür GLOBAL FAMILY (RuhrPott) // Isa Micklitzafür LASS UNS ABHAUEN (Insassenpreis der JVA Werl //

Der erstmals in Lünen vergebene Siegfried Kracauer Preis für die „Beste Filmkritik“geht an Cosima Lutzfür ihre Rezension des Films „Der Ornithologe“ von Joao Pedro Rodrigues. Sie erschien unter dem Titel „Zeig mir deine Wunder, du komischer Vogel“ im Juli 2016 in „Die Welt“. Eine lobende Erwähnung erhält Daniel Eschkötter für seinen Text „Is it future or is it past?“ Das Stipendiumfür das Jahr 2018/19 in Höhe von 12.000 Euro erhält der Filmkritiker Matthias Dell.Die Preise werden von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg, der Film- und Medienstiftung NRW und dem Verband der deutschen Filmkritik vergeben.

Die Preisverleihung im traditionsreichen Heinz-Hilpert-Theater setzt den krönenden Abschluss einer erfolgreichen Kinofest-Ausgabe in der Cineworld Lünen. Nach der Preisverleihung steht die Romanadaption SO VIEL ZEIT von Philipp Kadelbach auf dem Programm. Das Ensemblestück über die Rock‘n‘Roll-Band „Bochums Steine“ ist mit Jan Josef Liefers, Jürgen Vogel, Armin Rohde und Richy Müller prominent besetzt. Die Buchvorlage stammt aus der Feder von Kultautor Frank Goosen.

Die breite programmatische Auswahl des Festivals 2018, die sich zwischen leichtfüßiger, präziser Unterhaltung und hochpolitischen Beiträgen spannte, wurde vom Publikum mehr als goutiert. Gefeierte Komödien wie der Eröffnungsfilm KALTE FÜSSE oder die österreichische Familienturbulenz WOMIT HABEN WIR DAS VERDIENT? standen neben aufrüttelnden Dokumentarfilmen wie GLOBAL FAMILY oder DIE GRÜNE LÜGE.
Das Festival klingt nach der Preisverleihung am Sonntag noch mit weiteren filmischen Höhepunkten aus. So wird Joachim Król im Sonntagskino die neue Verfilmung von MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM vorstellen.

Eine ungewöhnliche Filmvorführung fand bereits zum dritten Mal im Rahmen des Kinofestes statt. In Zusammenarbeit mit dem Projekt Kultur@Gefängnishatte die Insassenvertretung der JVA Werl als Jury erstmalig selbst einen Film aus dem Kinofest-Programm ausgewählt. Sie verliehen dem Film LASS UNS ABHAUEN von Isa Micklitza den 1. Insassenpreis der JVA Werl. Isa Micklitza präsentierte und diskutierte ihren Film am vergangenen Montag in der JVA Werl.  

Die Preise im Überblick:

Publikumspreise

  • LÜDIA (10.000 Euro): KLASSE DEUTSCH (Regie: Florian Heinzen-Ziob)

Der Preis wird gestiftet von: Familie Höwing, Remondis AG & Co.KG, Stadtwerke Lünen.

  • Rakete (3.000 Euro): MEIN FREUND DIE GIRAFFE (Regie: Barbara Bredero)
    Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert, gestiftet von Lüner Familien.
  • Erste Hilfe (1.600 Euro): FOLLOWER (Regie: Jonathan Behr)
    Der Preis wird gestiftet von den Apotheken Brüning in Selm und Lünen
  • Erster Gang (1.600 Euro): ENDLING (Regie: Alex Schaad)
    Der Preis wird von Lüner Gastronomen gestiftet.

Jurypreise

  • HWG Drehbuchpreis (2.500 Euro): VERLORENE (Drehbuch: Felix Hassenfratz)
  • Lüner Schauspielpreis (2.500 Euro): JIBRIL (Darsteller: Malik Adan)
  • Perle – Preis für Frauen in der Filmbranche (2.250 Euro, Sparte Kostümbild):
    DAS SCHÖNSTE PAAR (Kostüm: Genoveva Kylburg)
  • Schülerfilmpreis 10+ (2.500 Euro): PAPA MOLL UND DIE ENTFÜHRUNG DES FLIEGENDEN HUNDES(R: Manuel Flurin Hendry)
  • Schülerfilmpreis 16+ (2.500 Euro): KLASSE DEUTSCH (R: Florian Heinzen-Ziob)
  • RuhrPott (1.500 Euro): GLOBAL FAMILY (Regie: Melanie Andernach, Andreas Köhler)
  • Insassenpreis der JVA Werl: LASS UNS ABHAUEN (Regie: Isa Micklitza)
  • Siegfried Kracauer Preis für die beste Filmkritik (3.000 Euro): Cosima Lutz
  • Siegfried Kracauer Preis für die beste Filmkritik (Lobende Erwähnung): Daniel Eschkötter
  • Siegfried Kracauer Preis (Jahresstipendium 12.000 Euro): Matthias Dell

Die Juryreise mit Begründungen

Hans W. Geißendörfer Drehbuchpreis
Felix Hassenfratz erhält den Preis für sein Drehbuch zu VERLORENE. Die Jury war mit dem Produzenten Joachim Ortmanns (in Vertretung des erkrankten Preisstifters Hans W. Geißendörfer), Kyra Scheuer (Dramaturgin), Nicole Weegmann (Regisseurin) besetzt. Jurybegründung:

„Wir wollen ein Drehbuch würdigen, das ein klassisches Thema in einem überzeugend eigenständigen Ansatz konsequent erzählt: Aus der Perspektive zweier Hauptfiguren wird als intimes Porträt einer Schwesternbeziehung ein Blick geworfen auf eine Täter-Opfer-Beziehung von großer Ambivalenz ohne den familiären Missbrauch zu relativieren. Auch die starke lokale Verortung dieses universellen Themas im badischen Erzählraum und Dialekt hat uns gefallen.

Der Preis ist mit 2.500 Eurodotiert. In der Auswahl waren die Spielfilme im LÜDIA-Wettbewerb.

Lüner Schauspielpreis
Erstmals wird Lüner Schauspielpreis für eine herausragende schauspielerische Leistung vergeben. Er geht an Malik Adan für seine Darstellung in dem Gefängnis-Liebesfilm JIBRIL von Henrika Kull.

Die Jury war mit Susanne Ritter (Casting),Lina Wendel (Schauspielerin), Stefan Westerwelle (Regisseur) besetzt. In ihrer Jurybegründung heißt es:

„… Mit wenigen Pinselstrichen zeichnet der Preisträger so ein eindringliches Bild von Männlichkeit auf der einen und Zartheit auf der anderen Seite. Auf einer feinen Gratwanderung zwischen Kraft und Verletzlichkeit, Härte und Unsicherheit gelingt es ihm, einen Menschen mit all seinen Sehnsüchten sichtbar zu machen. Seine Hoffnung, trotz aller widrigen Umstände, eine emotionale Heimat in einem anderen Menschen suchen und finden zu wollen, hat uns berührt.“

Der Preis ist mit 2.500 Eurodotiert und gestiftet von microca Kohlenstäube. In der Auswahl standen die Filme des LÜDIA-Wettbewerbs.

Perle – Preis für Frauen in der Filmbranche
Der Preis für Frauen in der Filmbranche wurde in diesem Jahr für die beste Kostümbildnerin ausgelobt, nominiert waren ausgewählte Filme aus den Sektionen ‚Extras’. Er geht an Genoveva Kylburg für ihre Arbeit in DAS SCHÖNSTE PAAR (Regie: Sven Taddicken).

Der Preis wird von Helene Christanell (Filmfestival Bozen), Roland Silbernagl (Schauspieler) und Elena Wegner (Kostümbildnerin) vergeben. Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt:

„Mit der Perle ehren wir in diesem Jahr eine Kostümbildnerin, die ihr Kostümbild bewußt der Geschichte untergeordnet hat. Die Gestaltung tritt nicht in den Vordergrund, sondern hilft den Darsteller*innen dabei ihre Charaktere zu entfalten und den Zuschauer*innen in die Geschichte einzutauchen. Die Figuren wirken in ihrem Lebensraum, in den unterschiedlichsten Situationen immer realistisch, stets angemessen und glaubhaft.“

Der Preis ist mit 2.250 Euro dotiert und wird von Lüner Unternehmerinnen gestiftet.

Schülerfilmpreis 10+
Lina Lücke, Marieke Sancken, Calvin Freiburg, Marlene Köhler und Erik Tönebön, die Mitglieder der Schülerjury 10+, zeichnen den Film PAPA MOLL UND DIE ENTFÜHRUNG DES FLIEGENDEN HUNDES von Manuel Flurin Hendryaus:

Wir finden ihn am besten, weil er lustig und gefühlvoll war. Und außerdem war er für alle Altersklassen geeignet. Er hatte alles was ein Film braucht. Er war spannend, lustig und auch traurig.“

Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert, gestiftet Michael Makiolla, Landrat des Kreises Unna.

Schülerfilmpreis 16+
Die Jurymitglieder Vincent Minkus, Ghazal Kalou, Male Potthoff und NilsVorbeck zeichnen KLASSE DEUTSCH von Florian Heinzen-Ziobaus. Jurybegründung:
„KLASSE DEUTSCH behandelt ein wichtiges, aktuelles Thema. Der Film öffnet einem die Augen und erzählt mit wenigen Mitteln eindrucksvoll von der Problematik einer Integrationsklasse und ihrer Lehrerin. Wir waren sehr beeindruckt und berührt.“

Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert, gestiftet Michael Makiolla, Landrat des Kreises Unna.

RuhrPott_Leser*innen-Preis
Der mit 1.500 Eurodotierte RuhrPott, der Preis der Ruhr Nachrichten, wird von den Leser*innen Marita Claasen, Rosemarie Leismann, Peter Strube und Ingrid Wismann vergeben. Aus vier nominierten Filmen der „Extras“ zeichnen sie GLOBAL FAMILY von Melanie Andernach undAndreas Köhleraus. Der Dokumentarfilm ist gleichzeitig berührende Familiengeschichte und Ausblick auf das künftige Schicksal vieler Menschen, die ihre Heimat verlassen. Jurybegründung:

„Der Film zeigt in seiner authentischen Darstellung den Spagat zwischen purer Lebensfreude und  deprimierenden Verhältnissen. Trotz bewegender Bilder erliegt der Film an keiner Stelle der Gefahr, Mitleid heischende Gefühle erwecken zu wollen. Ein widerspruchsreicher Film, der uns gerade trotz seiner scheinbaren Leichtigkeit tief bewegt.“

Kinofest-Leiter Michael Wiedemann und sein stellvertretender Leiter Sven Ilgner waren glücklich mit der 29. Ausgabe des Festivals – der veränderte Verlauf (das Festival lief erstmalig von Mittwoch bis Sonntag) wurde vom Publikum gut angenommen. Sie bedanken sich beim Publikum, allen Förderern, Sponsoren und Unterstützern sowie dem Team und freuen sich auf das 30. Jubiläums-Festival im November 2019.