30 Jahre Kinofest Lünen – Das Programm 2019


• Eröffnungsfilm: »Sterne über uns«

• Acht Filme im LÜDIA Wettbewerb
• Kinderfilmwettbewerb RAKETE
• Wettbewerbe & Filmpreise
• Festival-EXTRAS
• Geburtstagsgrüße

Seit 30 Jahren wird Lünen im November zur Hochburg des deutschsprachigen Films. Mit einem Publikum, das sich für ebenso anregende wie unterhaltsame Filme begeistern lässt und einer Filmbranche, die den Ort für unkomplizierte Begegnungen mit den Zuschauer*innen schätzt. Zum Jubiläum hat Ministerpräsident Armin Laschet als Ehrengast sein Kommen zugesagt.
–>Das Kinofest vergibt 11 Filmpreise im Wert von rund 30.000 Euro und für die Jubiläumsausgabe warten die Kinofestleiter Michael Wiedemann und Sven Ilgner mit einigen Neuerungen und Überraschungen für das fünftägige Festival auf.

Das Jubiläumsfestival eröffnet vor dessen Kinostart mit dem Debütspielfilm »Sterne über uns« von Christina Ebelt. Der Film erzählt von der alleinerziehenden Melli, die aufgrund ihrer prekären Lebenssituation mit ihrem neunjährigen Sohn Ben in den Wald zieht. In den Hauptrollen brillieren Franziska Hartmann und Claudio Magno und erzählen berührend von einer in Arm und Reich geteilten Welt. Der von der Film- und Medienstiftung NRW geförderte Film kommt am 14. November bundesweit in die Kinos. Regisseurin Christina Ebelt, die Produzenten und einige Darsteller*innen werden den Film in Lünen präsentieren.

LÜDIA-Wettbewerb
Im großen Wettbewerb konkurrieren sechs Spiel- und zwei Dokumentarfilme um die mit 10.000 Euro dotierte LÜDIA, die per Publikumsabstimmung ermittelt wird. Die Filme entwerfen in sehr unterschiedlichen Formen einen Stimmungsatlas unseres Landes. Alle Regisseur*innen werden ihre Filme persönlich beim Kinofest präsentieren.
Nahezu wöchentlich werden in Deutschland kleine wie große Katastrophen durchgespielt. Das reicht von der örtlichen Feuerwehrübung bis hin zu halben Weltuntergängen mit mehreren tausend Teilnehmer*innen und tausendseitigen Szenarien. In »Master of Disaster« beobachten Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier verschiedene Protagonist*innen bei Simulationen und Testläufen.
»Lovemobil« heißen die in der niedersächsischen Provinz zum Landschaftsbild gehörenden Wohnmobile. Für ihren gleichnamigen Dokumentarfilm über diese Minibordelle hat Elke Margarete Lehrenkrauss drei Jahre lang die hier gestrandeten Frauen aus Osteuropa und Nigeria auf Augenhöhe und mit viel Empathie begleitet.
Ein ungewöhnliches Hybrid aus Dokumentar- und Spielfilm stellen Lilly Engel und Philipp Fleischmann mit »Als ich mal groß war« vor. Sie haben die Freund*innen Lucas, Marius und Renée über drei Jahre begleitet und deren Vorstellungen ihrer eigenen Zukunft in Szene gesetzt.
Der Action-Thriller »Der letzte Mieter« von Georg Erler ist ein spannendes Statement zur Gentrifizierung: Das letzte unsanierte Haus in einer schicken Berliner Wohngegend wird geräumt. Ein Mieter weigert sich, aus der Wohnung, in der er seit 40 Jahren lebt, auszuziehen. Sein Sohn versucht, ihn zu überzeugen, doch die Situation eskaliert. Georg Pelzers Debütspielfilm »Fluten« thematisiert die Ohnmacht des Einzelnen angesichts eines wachsenden Konkurrenz- und Erfolgsdrucks: Für den arbeitslosen Jonas wird die Beobachtung seines ehemaligen Chefs mehr und mehr zur Obsession. Mariko Minoguchi fängt die Zuschauer*innen mit ihrem Spielfilmdebüt souverän in einem Netz von Erzählsträngen ein. »Mein Ende dein Anfang« ist ein aufregend verschachtelt erzähltes Liebesdrama über ein junges Paar, das nach kurzem Kennenlernen gewaltsam auseinander gerissen wird.
Fragen von wahr und falsch exploriert auch Michael Fetter Nathansky in seinem Debüt »Sag du es mir«. Nachdem Silke von einer Brücke gestoßen worden ist, eilt ihre Schwester Moni aus Spanien zur Unterstützung. Doch wer braucht hier wen? Der Spielfilm spinnt ein vertracktes Gewebe aus Lügen und Täuschungen und Selbstzerstörung.
Carlos Morelli hat einen originellen Film Noir über einen Teilzeit-Vater inszeniert, der über Nacht erkennt, was wirklich wichtig ist. »Der Geburtstag« enthält all das, was man von einem Kindergeburtstag am wenigsten erwartet: Unwetter, Streit und lange Gesichter.

RAKETE Kinderfilmwettbewerb
Vier herausragende Kinderfilme stehen in der Auswahl für den mit 3.000 Euro dotierten Kinderfilmpreis, der ebenfalls aus den Publikumsstimmen ermittelt wird. »Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar« (Regie: Markus Dietrich) ist die Geschichte von Sue, die Superheldencomics mehr als alles andere liebt. Als ihre Mutter entführt wird, ist Sues eigene Superkraft gefragt. In »Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten« von Martin Tischner findet der neugierige Tobi eines Tages eine geheimnisvolle Flaschenpost, die ein Rätsel birgt. Um dieses zu lösen, muss er erst das Geheimnis unseres Planeten lüften. Katja Benraths »Rocca verändert die Welt« ist eine Art moderner »Pippi Langstrumpf«. Die lebenskluge, elfjährige Rocca muss alleine klar kommen – denn ihre Eltern sind beide im Himmel: die Mutter früh verstorben und der Vater Astronaut. »Zu weit weg« (Regie Sarah Winkenstette) erzählt die Geschichte von Ben und seiner Familie. Da ihr Heimatdorf einem Braunkohletagebau weichen soll, müssen sie die nächstgrößere Stadt umziehen. In der neuen Schule ist Ben erst mal der Außenseiter.

Die weiteren Wettbewerbe & Filmpreise des Kinofestes Lünen

Der RuhrPott Leserjurypreis der Ruhrnachrichten (dotiert mit 1.500 Euro) wird beim Kinofest künftig dauerhaft als Dokumentarfilmpreis vergeben. In diesem Jahr stehen hier unter anderem das Porträt über Mario Adorf »Es hätte schlimmer kommen können« von Dominik Wessely, der unterhaltsame Fußballfilm »Das Wunder von Taipeh« von John Seidler und Maryam Zarees gefeierte Spurensuche »Born in Evin« über ihre eigene Geburt in Irans berüchtigtem Gefängnis Evin zur Auswahl.

Kurzfilmpreis wird künftig per TED ermittelt / Leonard Lansink überreicht Preis
Die ERSTE HILFE, der mit 1.600 Euro dotierte Preis für die kurzen Kurzfilme, wird erstmals unmittelbar nach dem Screening aller Wettbewerbsbeiträge im Kino durch Publikumsabstimmung entschieden. Der bekannte Schauspieler Leonard Lansink (»Wilsberg«), der selbst beim Festival in dem Kurzfilm »Von Zeit zu Zeit« zu sehen sein wird, wird den Preis am Freitag des Festivals nach der Auswertung überreichen.

Der ERSTE GANG, der mit 1.600 Euro dotierte Preis für die mittellangen Kurzfilme wird erstmals unmittelbar nach der Vorstellung ausgewertet und im Anschluss in sympathischer Runde beim Preissponsor Bella Italia bekanntgegeben und verliehen.

Die PERLE – der Preis für Frauen in der Filmbranche wird seit 2011 verliehen. Dotiert mit 2.250 Euro, zeichnet er weibliche Filmschaffende aus, die die gelungenste Repräsentation von Frauen im Film vertreten. Am WB nehmen ausgewählte Filme des Festivalprogramms teil, darunter Sherry Hormanns Film »Nur eine Frau«. Im Zentrum steht das Leben der 23-jährigen Hatun Sürücü, die 2005 ermordet wurde, weil sie in Berlin ein selbständiges Leben führen wollte. »Lara« von Jan-Ole Gerster (»Oh Boy«) erzählt von verlorenen Träumen, der Liebe zur Musik und einer besonderen Mutter-Sohn-Beziehung. Mit Corinna Harfouch, Tom Schilling, u.a. Die Jury der PERLE besteht aus den Stifterinnen des Preises.
Schülerfilmpreise 10+ und 16+ des Kreises Unna – jeweils dotiert mit 2.500 Euro für die Filme des RAKETE bzw. die Spielfilme des LÜDIA-Wettbewerb, vergeben von zwei Schuljurys aus dem Kreis Unna.

Lüner Schauspielpreis – dotiert mit 2.500 Euro für die beste Schauspielleistung in einem der LÜDIA-Spielfilme, vergeben von einer Jury, die in 2019 besetzt ist mit den Darsteller*innen Dietrich Hollinderbäumer, Anke Sevenich und Anton Spieker.

HWG Drehbuchpreis – dotiert mit 2.500 Euro für das beste Drehbuch der LÜDIA-Spielfilme, vergeben von einer Jury, die 2019 besetzt ist mit Rainer Gansera (Filmjournalist), Karin Kaçi (Drehbuchautorin) und Corinne Le Hong (Drehbuch-autorin).

Insassenpreis der JVA Werl geht an »Systemsprenger«
Die JVA Werl ist inzwischen zu einem etablierten Spielort des Kinofestes geworden. Bereits zum vierten Mal zeigen wir dort in Kooperation mit dem Projekt „Kultur@Gefängnis“ einen Film für die Insassen. Zum zweiten Mal hat eine Gefängnis-Jury aus einer Vorauswahl des Kinofest-Programms ihren Gewinnerfilm gekürt. Ihr Preis geht an »Systemsprenger« von Nora Fingscheidt. Der Film wird deshalb nicht nur beim Kinofest sondern auch in der JVA Werl für alle Insassen zu sehen sein. Zum Gespräch nach Werl kommt die Produzentin Frauke Kolbmüller.

EXTRAS

Sonntags-Matinee mit Bastian Pastewka, Fabian Busch & Hans Löw
Eoin Moores »Der Sommer nach dem Abitur« ist ein Roadmovie über Jugendträume, Freundschaft und das Älterwerden. Bastian Pastewka, Fabian Busch und Hans Löw verkörpern in dem Ensemblefilm drei Freunde, die vor mehr als zwanzig Jahren den magischen Sommer nach dem Abitur leider verpasst haben. Jetzt wollen sie ihn nachholen: die Lieblingsband ihrer Jugend ist wieder auf Tour. Die Hauptdarsteller stellen den Film in der beliebten Sonntags-Matinee persönlich vor.

20 Jahre: »First Steps« feiert beim Kinofest Lünen Geburtstag
»First Steps«, der Wettbewerb für Abschlussfilme deutschsprachiger Filmschulen, feiert 20. Geburtstag. Das ganze Jahr über wird »First Steps« mit Jubiläumsscreenings zu Gast bei diversen Filmfestivals in Deutschland sein – im November auch beim Kinofest Lünen. Studenten-Oscar-Preisträger İlker Çatak, der 2014 den First Steps Award für seinen Film »Sadakat« erhalten hat und beim Kinofest mit dem Kurzfilmpreis »Erste Hilfe« ausgezeichnet wurde, kommt nach Lünen. Er zeigt noch einmal »Sadakat« sowie seinen aktuellen Spielfilm »Es gilt das gesprochene Wort«. In der bewegenden und witzigen Liebesgeschichte jenseits kultureller und gesellschaftlicher Konventionen brillieren Anne Ratte-Polle, Ogulcan Arman Uslu und Godehard Giese.

LÜNEN-PREMIEREN

Tolle Filme, viele Gäste und Vanessa Mai in ihrer ersten Rolle
Gefeierte deutschsprachige Filme des letzten Jahres, die in Lünen noch nicht im Kino zu sehen waren und TV-Premieren stehen auf dem Programm – viele werden von prominenten Gästen vorgestellt.
Axel Prahl und Vanessa Mai (in ihrer ersten TV-Rolle) sind die Hauptfiguren in Stefan Bühlings gefühlvollen Fernsehdrama »Nur mit dir zusammen«. Vanessa Mai spielt eine Frau, die an ihrem Durchbruch als Sängerin arbeitet, als sie eine lebensbedrohliche Diagnose erhält. Die beliebte Sängerin ist gemeinsam mit Axel Prahl in Lünen zu Gast. Axel Prahl präsentiert außerdem zusammen mit ChrisTine Urspruch den neuen »Tatort Münster – Väterchen Frost«.
»Systemsprenger« von Nora Fingscheidt ist der deutsche Vorschlag für die Nominierungen des Oscars zum besten fremdsprachigen Film 2020. Er erzählt von einer gewalttätigen Neunjährigen, die sich nach Geborgenheit sehnt und im Jugendhilfesystem durch alle Raster fällt.
»Baumbacher Syndrome«, der diesjährige Eröffnungsfilm der Filmtage Hof, ist kurze Zeit später auch in Lünen zu sehen. Max Baumbacher, ein deutscher Talkshow-Moderator (gespielt von Tobias Moretti), wacht eines Morgens mit einer außergewöhnlich tiefen Stimme auf. Regisseur Gregory Kirchhoff zeichnet das Porträt eines Mannes, der erkennen muss, dass er sein Leben verfehlt hat – großartig gespielt und gefilmt in der grandiosen Landschaft Spaniens.

Spider Murphy Gang – Glory Days of Rock’n‘Roll
Vierzig Jahre Spider Murphy Gang: Regisseur Jens Pfeifer hat sich an die Fersen der legendären Münchner Band geheftet und ist ihnen so nahgekommen wie keiner zuvor. Anhand von teilweise noch nie gesehenem Archivmaterial und schonungslos offenen Interviews gewährt der Film einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen.

Eine Welt – engagiertes Kino mit starken Bildern
In Kooperation mit LIGA, der Lüner Initiative gegen globale Armut, zeigt das Kinofest politisch wichtige und aufrüttelnde Dokumentarfilme. »Congo Calling« von Stephan Hilpert vermittelt drei persönliche Perspektiven auf das Zusammenleben und Zusammenarbeiten zwischen Europa und Afrika – und stellt die Frage: Wie hilfreich ist
die Hilfe des Westens? »Fair Traders« von Nino Jacusso zeigt, dass es möglich ist, Produktion und Handel ethisch und fair zu gestalten.

In Kooperation mit der „Europäischen Filmwoche Panevėžys“ ist die litauisch-deutsche Koproduktion »Sengire – Der Urwald« von Mindaugas Survila zu sehen. Gedreht ist der poetische Dokumentarfilm in einem der letzten unberührten Wälder Litauens.

Zwei Ausstellungen zum Kinofest
Zum runden Geburtstag ist das Kinofest gleich mit zwei Ausstellungen in der Stadt vertreten. Zu sehen sind die Lüner Eindrücke und historische Kinotransparente. Im Rathaus zeigen wir die inzwischen fünfzehn Filmpersönlichkeiten, die sich mit ihrer Unterschrift in den von Andrzej Irzykowski gestalteten Metallplatten vor der Cineworld in Lünen verewigt haben. Auf großformatigen Porträts im Foyer können Besucher nun die prominenten Filmschaffenden sehen.
Außerdem feiert das Festival die große Zeit des Kinos mit einer Ausstellung handgemalter Kinotransparente in der Sparkasse Lünen sowie mit Fotos, Plakaten und Dokumenten aus 30 Jahren Kinofest im Foyer des Lüner Rathaus.

Auftakt
30 / 40 / 70 mit »Theo gegen den Rest der Welt«
Das Kinofest wird 30, Kinofest-Coleiter Sven Ilgner wird 40 und Kinofestleiter Mike Wiedemann wird 70 – das alles in diesem Jahr. Und genau 40 Jahre sind es auch her seit das legendäre deutsche Roadmovie »Theo gegen den Rest der Welt« entstand, produziert von Mike Wiedemann, in der Hauptrolle Marius Müller-Westernhagen Das ist Anlass für eine dreifache Geburtstagsfeier beim beliebten Auftakt am Tag vor der Eröffnung. 12. November, 20 Uhr Cineworld

Und zum Schluss….Geburtstagsgrüße!
Viele Filmschaffende haben im Laufe der Jahre ein inniges und herzliches Verhältnis zum Kinofest entwickelt und haben persönliche Geburtstagsgrüße geschickt, die im diesjährigen Programmheft zu lesen sein werden, darunter:

„Das Kinofest Lünen ist NRW pur und bringt uns Macher zu den Menschen, die die Filme am Ende schauen. Happy birthday Kinofest, aus NRW nicht wegzudenken!!“ (Nicole Weegmann, Regisseurin)

„Dass man beim allerersten Lünen-Besuch nach einer Badehose gefragt wurde und dann natürlich keine dabei hatte – das gibt es nur in Lünen. Dass man dann viel später einen Film in der JVA zeigen durfte und die tausend Jahre Schwerkriminalität, die da vor einem saßen, mir bei HERBERT Tränen in die Augen pumpten – das gibt’s auch nur in Lünen.“ Mike, good job! (Anatol Nitschke, Produzent, deutschfilm)