HART ABER HERZLICH. KINOFEST

Vom 10. bis 13. November feiert Lünen den deutschsprachigen Film

Seit seiner Gründung 1990 hat sich das Kinofest Lünen zu einem der beliebtesten deutschen Publikumsfestivals entwickelt und wird in diesem Herbst zum 27. Mal wieder ein Magnet für Filmbegeisterte und Filmschaffende. Das 4tägige Filmfest präsentiert rund 60 aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme in allen Längen. In 11 Wettbewerben werden Filmpreise im Wert von 35.300 Euro vergeben. Unter der Überschrift HART ABER HERZLICH. KINOFEST präsentiert sich das Festival in Anlehnung an den alten Spruch „Lünen ist die Härte“ in ganz neuem Erscheinungsbild, mit neuen Farben, neuem Design und neuem Trailer. Neben Filmen aus der Region, den Lünen-Premieren, herausragenden Fernsehproduktionen und den Lünen-Extras wird erstmalig die Filmauswahl auf internationale Koproduktionen mit deutscher Beteiligung erweitert – der Erfolg der deutschen Koproduktionen in jüngerer Zeit wird auch Thema des Branchendialogs sein. Zum ersten Mal präsentiert Lünen auch einen Film im Gefängnis, in der Justizvollzugsanstalt Werl.

Die Filmbranche schätzt die unkomplizierte Begegnung mit dem Publikum beim Kinofest. Viele Stars sind im Lauf der Jahre nach Lünen gekommen. Das Publikum kann sich diesmal freuen auf ein Programm mit Filmen von und mit Maren Ade, Ali Samadi Ahadi, Bibiana Beglau, Corinna Belz, Detlev Buck, Fabian Busch, Anke Engelke, Heino Ferch, Samuel Finzi, Florian David Fitz, Georg Friedrich, Frank Goosen, Therese Hämer, Josef Harder, Elke Heidenreich, Sandra Hüller, Burghart Klaußner, Oliver Korittke, Nicolette Krebitz, Joachim Król, Matthias Kutschmann, Peter Lohmeyer, Bjarne Mädel, Barnaby Metschurat, Wotan Wilke Möhring, Wolfgang Murnberger, Ludger Pistor, Ralf Richter, Armin Rohde, Maria Schrader, Katharina Marie Schubert, Clemens Schick, Maria Schrader, Devid Striesow, Jessica Schwarz, Jan Georg Schütte, Lavinia Wilson, u.v.a.

Eröffnungsgala mit FRITZ LANG
2017 feiert die UFA ihren 100. Geburtstag. Das Kinofest läutet das Jubiläumsjahr mit einer großen Hommage an das Kino ein: FRITZ LANG ist die Geschichte eines der größten Regisseure der Welt, und die Vorgeschichte seines legendären Films „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ – eine UFA-Produktion. Mit „Metropolis“ oder „Dr. Mabuse“ hat Fritz Lang Meisterwerke des Stummfilms geschaffen. Gordian Mauggs opulenter Schwarzweißfilm setzt 1930 ein, als Lang sich auf die Suche nach einem zeitgenössischen Stoff für seinen ersten Tonfilm begibt. Er findet ihn in Düsseldorf, wo im Fall des brutalen Serienmörders Peter Kürten ermittelt wird. Der mit Heino Ferch in der Titelrolle sowie Thomas Thieme, Samuel Finzi, Johanna Gastdorf, Lisa Charlotte Friederic u.a. wunderbar besetzte Film wurde zu weiten Teilen in Düsseldorf gedreht.
Hauptdarstellerin Johanna Gastdorf und Regisseur Gordian Maugg werden den Film bei der Eröffnungsgala am 10. November in der Cineworld Lünen präsentieren.

Die Wettbewerbe
10 Filme gehen ins Rennen um den Hauptpreis LÜDIA, darunter zwei Dokumentarfilme. Das Publikum votiert und entscheidet über die Vergabe des mit 10.000 Euro dotierten Nachwuchspreises. In diesem Jahr ist es im besten Sinne ein deutschsprachiger Wettbewerb, denn neben zwei Schweizer Produktionen sind auch zwei österreichische Koproduktionen in der Auswahl zu sehen.
Mit ALOYS erzählt der Schweizer Tobias Nölle von der Einsamkeit des modernen Menschen und hat in Georg Friedrich eine geniale Besetzung für seinen skurrilen Großstädter Aloys gefunden.
ANISHOARA ist ein 15-jähriges Mädchen aus einem kleinen Dorf in Moldawien. Regisseurin Ana-Felicia Scutelnicu zeichnet Anishoaras letztes Jahr der Kindheit bevor sie aufbricht in ihr neues Erwachsenenleben.
In EINER VON UNS, dem Spielfilmdebüt von Stephan Richter, ist der Parkplatz eines österreichischen Vorstadt-Supermarktes der einzige Treffpunkt für die Jugend des Ortes. Das Drama spiegelt die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen und deren Freiheitsdrang in stimmungsgeladenen Bildern und einem mitreißenden Soundtrack des Deutsch-Rappers Maeckes wider.
DIE EINSIEDLER, das Debüt des Südtirolers Ronny Trocker, erzählt die Geschichte des Bauersohns Albert, der sich zwischen seiner Heimat auf einem abgelegenen Berghof und dem florierenden Leben der Menschen im Tal entscheiden muss.
FREDDY EDDY war ein erfolgreicher Maler, bis er seine Frau beim Seitensprungerwischte und krankenhausreif prügelte. So die Kriminalakte. Er selbst leugnet die Tat. Psychothriller von Tini Tüllmann mit Jessica Schwarz und Burkhart Klaußner.
DIE HANNAS, das sind Hans und Anna. Julia C. Kaiser erzählt vom Einbruch zweier wilder Kreaturen in das lethargische, aber auch würdevolle Leben dieses Pärchens, das schon seit vielen Jahren eine Einheit bildet.
Die Berliner Independent-Komödie HEY BUNNY, die Geschichte eines desillusionierten Ex-Hackers, der unfreiwillig zum Helden wird, ist das Regiedebüt von Lavinia Wilson und Barnaby Metschurat.
Ihr Vater, der Dauerfilmer: Das ganze Familienleben hat er festgehalten. Nach seinem Tod erbt seine Tochter Eva Vitija das Archiv. Sie machte ihren eigenen Film daraus, eine dokumentarische Zeitreise ins Reich der Obsessionen: DAS LEBEN DREHEN – WIE MEIN VATER VERSUCHTE, DAS GLÜCK FESTZUHALTEN.
STILLE RESERVEN, der dystopische Science-Fiction-Film von Valentin Hitz, ist als Deutschlandpremiere zu sehen: Im Wien der nahen Zukunft hat ein Versicherungskonzern ein System geschaffen, in dem die Menschen nicht einmal ein Recht auf ihren eigenen Tod haben. Mit Clemens Schick, Lena Lauzemis, Stipe Erceg u.a.
Der deutsch-kosovarische Dokumentarfilm TRAPPED BY LAW von Sami Mustafa ist eine sensible Beobachtung über Heimat, Familie, Flucht und das Gefühl, zwischen zwei Welten zu leben. NRW-Premiere.

Die Filme der LÜDIA konkurrieren außerdem um den Drehbuchpreis (2.500 Euro), den Filmmusikpreis (2.500 Euro), den Preis für den besten Filmtitel (Medialeistungen in den Magazinen des Berndt-Media-Verlages im Wert von 5.000 Euro) und den Schüler-Filmpreis 16+ (2.500 Euro).

Die Perle – Preis für Frauen aus der Filmbranche (1.800 Euro) geht in diesem Jahr an die beste Regisseurin der Sparte Dokumentarfilm aus der Sektion „Extras“.
Im Wettbewerb um den RuhrPott (1.500 Euro) stehen in diesem Jahr die Fernsehfilme aus der Sektion „Extras“ zur Auswahl.
Die Vergabe dieser Preise erfolgt jeweils durch Fachjurys.

Jurys 2016
Hans W. Geißendörfer Drehbuchpreis und Berndt-Media-Preis:
Jan Bonny (Regisseur), Therese Hämer (Schauspielerin), Micha Lewinsky (Drehbuchautor und Regisseur)
Perle – Preis für Frauen in der Filmbranche (Sparte: Regie Dokumentarfilm): Ulrike Franke (Regisseurin), Michael Kupczyk (Regisseur) und Dr. Mirela Oktrova (Festivalleiterin)
Filmmusikpreis:
Florian Mischa Böder (Regisseur), Milena Fessmann (DJ, Radiomoderatorin, Musikberaterin), Conrad Oleak (Komponist, Preisträger 2013)

Die beim Publikum höchst beliebten Kurzfilme – die in kurze Kurzfilme und mittellange Kurzfilme unterteilt werden – können auf die Preise ERSTE HILFE und ERSTER GANG hoffen. Die Filmtitel sind vielversprechend: von den BESCHWERDEN EINES JÜNGLINGS über die SCHWIMMSTUNDE bis AM ENDE DER WALD, der bereits mit einem silbernen Studenten-Oscar gewürdigt wurde.

Die RAKETE und damit 3.000 Euro erhält derjenige von vier Filmen im Kinder- und Jugendfilmwettbewerb, der das kritische junge Publikum überzeugen kann. Darunter das turbulente Road-Movie OFFLINE – DAS LEBEN IST KEIN BONUSLEVEL, die tolle deutsche-amerikanische Coming of Age-Geschichte MORRIS AUS AMERIKA, DOKTOR PROKTORS ZEITBADEWANNE und die sensible Tragikomödie AUF AUGENHÖHE, die von der Suche des 10jährigen Halbwaisen Michi nach seinem Vater erzählt.
Die Filme der RAKETE konkurrieren außerdem um den Schüler-Filmpreis 10+ (2.500 Euro).

Filme aus der Region – Abschlussgala mit RADIO HEIMAT
Das Kinofest macht sich traditionell stark für Filme aus der Region. Die Ruhrgebietskomödie RADIO HEIMAT verspricht großes Sehvergnügen nicht nur für Heimatfreunde. Angelehnt an Kurzgeschichten des Bochumer Autors Frank Goosen feiert der Dortmunder Kabarettist und „Geierabend“-Regisseur Matthias Kutschmann mit RADIO HEIMAT sein Debüt als Kino-Regisseur. Er verwandelt Goosens Kurzgeschichten in einen ebenso berührenden wie witzigen Coming of Age-Film. Oder, wie Kutschmann es ausdrücken würde: RADIO HEIMAT ist wie „Amelie“, „Almanya“ und „Cinema Paradiso“ auf „Bang Boom Bang“. Zur Abschluss-Gala mit RADIO HEIMAT erwartet das Kinofest als Gäste den Regisseur Matthias Kutschmann, die Produzenten Christian Becker, Adolf Winkelmann und Peter Thorwarth und die Schauspieler Ralf Richter und Peter Nottmeier.

Filme aus der Region: DIE KINDER DER TURNSTUNDE
Den traditionellen Auftakt vorm offiziellen Festivalstart macht die Premiere des Dokumentarfilms DIE KINDER DER TURNSTUNDE des Lüner Filmemachers Michael Kupczyk. Er hat sich auf Spurensuche nach den Schicksalen von jüdischen Lüner Kindern gemacht, die auf einem Foto aus den frühen 1930er Jahren bei der Turnstunde zu sehen sind. Kupczyk dokumentiert nicht nur die Verfolgung und Ermordung, sondern zeigt die Lebensumstände und das kulturelle Leben der damaligen jüdischen Gemeinde. Der Film rekonstruiert das Leben der überlebenden Kinder nach dem Krieg, ihren Neuanfang in einem fremden Land und ihre Bemühung um Entschädigung sowie ihren Wunsch die verlorene Heimat wiederzusehen oder ihr für immer den Rücken zu kehren. Initiiert wurde das Filmprojekt von der Bürgermeister-Harzer-Stiftung.
Auftakt: 9. November 2016, Cineworld Lünen

Kinofest Lünen in der JVA Werl
Das Kinofest geht neue Wege und präsentiert erstmalig einen Film in der Justizvollzugsanstalt Werl. Die Inhaftierten können HERBERT, den LÜDIA-Preisträgerfilm 2015, sehen und mit Regisseur Thomas Stuber, Produzent Anatol Nitschke und weiteren Team-Mitgliedern über den Film sprechen: Der ehemalige DDR-Boxer Herbert ist an ALS erkrankt. Das packende Drama erzählt die Wandlung dieses verhärteten Mannes zur verletzlichen Seele. Peter Kurth wurde für seine Darstellung des Herbert mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Initiiert wurde das Projekt von der Kuratorin Betty Schiel, die Filmvorstellungen in Gefängnissen organisiert und Maria Look, Leiterin der JVA Werl, von der Idee überzeugen konnte. Kinofestleiter Michael Wiedemann freut sich über die ungewöhnliche Kinofest-Außenstelle „Ich könnte mir kaum einen geeigneteren Film für diese Begegnung vorstellen als HERBERT. Wir sind gespannt auf die Vorstellung und das anschließende Gespräch. Es ist toll, dass sich die JVA darauf einlässt.“

Extra: Fernsehen
Die Reihe außergewöhnlicher Fernsehproduktionen wird angeführt von der WDR-Produktion ÜBER BARBAROSSAPLATZ. Die Geschichte einer Kölner Psychologin hat Jan Bonny mit Bibiana Beglau und Jochaim Król in den Hauptrollen inszeniert. Nach seinem preisgekrönten „Altersglühen – Speed Dating für Senioren“ hat Jan Georg Schütte für den WDR in seiner außergewöhnlichen Improvisationsmethode die Beziehungskomödie WELLNESS FÜR PAARE realisiert: Fünf Paare mittleren Alters haben eine Frischzellenkur gebucht. Das hochkarätige Ensemble ist mit Anke Engelke und Sebastian Bloomberg, Anneke Kim Sarnau und Bjarne Mädel, Katharina Maria Schubert und Martin Brambach, Devid Striesow u.a. besetzt. In dem Drama KÄSTNER UND DER KLEINE DIENSTAG von Wolfgang Murnberger ist Florian David Fitz in der Titelrolle als Erich Kästner zu sehen, der sich mit seinem größten Fan, dem 8jährigen Hans Löhr anfreundet.
In der beliebten Sonntags-Matinee der Sparkasse an der Lippe ist die Komödie SCHNITZEL GEHT IMMER mit Therese Hämer, Armin Rohde und Ludger Pistor zu sehen. Für die Regie zeichnet ebenfalls Wolfgang Murnberger verantwortlich.

Extra: Koproduktionen _ Branchendialog
Neu ist eine Reihe von internationalen Filmen, die mit deutscher Beteiligung entstanden sind. Auf dem Programm stehen der deutsch-finnische Film DER GLÜCKLICHSTE TAG IM LEBEN DES OLLI MÄKI. Regisseur Juho Kuosmanen erzählt die Geschichte von Olli Mäki, der 1962 als erster Finne die Chance hatte, Boxweltmeister zu werden. Die deutsch-israelische Mockumentary 90 MINUTEN – BEI ABPFIFF FRIEDEN von Eyal Halfon beendet den Nahost-Konflikt durch ein Fußballspiel. François Ozons neuer Film FRANTZ erzählt in tollen Schwarzweißbildern die Geschichte von Anna (Paula Beer), deren Verlobter Frantz im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Teilweise in Düsseldorf gedrehte ist der spanisch-deutsche Spielfilm EL OLIVO von Icíar Bollaín. Eine junge Frau versucht den vor Jahren verkauften, uralten Olivenbaum zurückzubekommen, um ihren todkranken Vater zu trösten.
Die Bedeutung der deutsch-internationalen Filmproduktionen und Weltvertriebe werden auch Thema des samstäglichen Dialogs sein, zu dem Branchen-Experten erwartet werden.

Extra: Eine Welt
In Kooperation mit LIGA – Lüner Initiative gegen globale Armut zeigt das Kinofest als NRW-Premiere CAHIER AFRICAIN von Heidi Specogna. Am Anfang dieser dokumentarischen Langzeitbeobachtung stand ein Schulheft. Anstelle von Vokabeln füllten sich seine Seiten mit den Zeugenaussagen von 300 zentralafrikanischen Frauen, Mädchen und Männern. Sie offenbaren, was ihnen 2002 im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen von kongolesischen Söldnern angetan worden war.
KRIEG UND SPIELE rücken im Zeitalter der Drohnentechnologie näher zusammen. Die Filmemacherin Karin Jurschick besucht Philosophen, Ethiker, Historiker und Militärwissenschaftler, die über Möglichkeiten und „Moral“ der neuen Kriegswaffen nachdenken.

Lünen-Premieren
Die Reihe exzellenter deutschsprachiger Filme, die in Lünen noch nicht zu sehen waren, wird von zwei Oscar-Anwärterinnen angeführt: Maren Ades vielgepriesene Tragikomödie TONI ERDMANN und Maria Schraders Biopic über Stefan Zweig VOR DER MORGENRÖTE stehen auf dem Programm, außerdem die Dokumentarfilme WER HAT ANGST VOR SIBYLLE BERG? und PETER HANDKE – BIN IM WALD. KANN SEIN, DASS ICH MICH VERSPÄTE. Von Nicolette Krebitz ist ihre dritte lange Regiearbeit WILD zu sehen, ein Liebesdrama von sprichwörtlich animalischer Qualität. Krebitz wird 2016 außerdem mit einem Lüner Eindruck auf dem „Boulevard of Fame“ vor der Cineworld Lünen geehrt. Vor ihr wurden Stars wie Günther Lamprecht, Wim Wenders und Juliane Köhler gewürdigt.

Hart aber herzlich. Kinofest
Das Kinofest Lünen präsentiert sich in diesem Jahr in vollständig neuem Erscheinungsbild. Die Lüner Agentur interemotion hat für den neuen Auftritt Lünens Wahrzeichen und Preistrophäe, die Marktfrau Lüdia, stark stilisiert und in den Mittelpunkt gerückt. In der Ausschreibung für den neuen Festivaltrailer hat die Einreichung von Annika Falkenberg von der Bergischen Universität Wuppertal überzeugt. Erstmalig wird es auch einen Trailer fürs Kinderfilmprogramm geben. Milan Liegmann, ebenfalls Student in Wuppertal, hat einen charmanten Trailer eingereicht, der deutlich macht: „Kino rettet Leben.“

Kontakt Presse: Stefanie Görtz
presse@kinofest-luenen.de
mobil: 0170-2037198