FREDDY EDDY erhält LÜDIA 2016

Psychothriller von Tini Tüllmann wird mit dem Hauptpreis des Kinofestes Lünen ausgezeichnet. Das Kinofest verzeichnet neuen Rekord mit 9.900 Besucher_innnen.

Am Abend (13.10.2016) wurden bei der feierlichen Preisverleihung des 27. Kinofestes Lünen im Heinz-Hilpert-Theater 11 Filmpreise im Wert von 32.800 Euro vergeben. Der mit 10.000 Euro dotierte Hauptpreis LÜDIA, der durch Publikumsstimmen ermittelt wird, geht an die Regisseurin Tini Tüllmann für ihren Genrefilm FREDDY EDDY. Tüllmann und ihr mit Felix Schäfer, Jessica Schwarz und Burkhart Klaußner hochkarätig besetzter Psychothriller begeisterte das Lüner Publikum. Tini Tüllmann wird den Preis am Abend persönlich entgegennehmen.

Der Kinderfilmpreis RAKETE, dotiert mit 3.000 Euro, geht an AUF AUGENHÖHE von Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf.

Die Publikumspreise in den Kurzfilmwettbewerben erhalten die beiden Spielfilme
UN ÉTAT D’URGENCE von Tarek Roehlinger und AM ENDE DER WALD von Felix Ahrens.

Wenn sich am Abend die Türen des Heinz-Hilpert-Theaters nach der Abschlussgala schließen, haben 9.900 Besucher_innen das 27. Kinofest in der Cineworld Lünen besucht, ein neuer Besucher_innen-Rekord. Als Abschlussfilm ist im Anschluss an die Preisverleihung die Ruhrgebietskomödie RADIO HEIMAT von Matthias Kutschmann zu sehen, der den Film gemeinsam mit den Darstellern Peter Nottmeier und Martin Semmelrogge, präsentiert.

Neben einem Programm mit 60 aktuellen Spiel- und Dokumentarfilme beschritt das Kinofest auch wieder einmal neue Wege. Neu war eine Reihe von internationalen Filmen, die mit deutscher Beteiligung entstanden sind, darunter Arbeiten wie FRANTZ von François Ozon oder DER GLÜCKLICHSTE TAG IM LEBEN DES OLLI MÄKI von Juho Kuosmanen.

Zum ersten Mal wurde mit HERBERT, dem LÜDIA-Preisträger 2015, ein Film in der Justizvollzugsanstalt Werl präsentiert. Rund 70 Inhaftierte konnten im Anschluss mit Regisseur Thomas Stuber und Co-Produzent Anatol Nitschke über das packende Drama diskutieren – eine berührende und intensive Erfahrung für alle Beteiligten.

Die Preise im Überblick:

Publikumspreise

LÜDIA (10.000 Euro): FREDDY EDDY (Regie: Tini Tüllmann)

Erste Hilfe (1.600 Euro): UN ÉTAT D’URGENCE (Regie: Tarek Roehlinger)

Erster Gang (2.400 Euro): AM ENDE DER WALD (Regie: Felix Ahrens)

Rakete (3.000 Euro): AUF AUGENHÖHE (Regie: Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf)


Jurypreise

HWG Drehbuch-Preis (2.500 Euro): DIE HANNAS (Buch & Regie: Julia C. Kaiser)

Filmmusik-Preis (2.500 Euro): EINER VON UNS (Musik: Maja Osojnik & Matija Schellander)

Berndt-Media-Preis für den besten Filmtitel (Marketingleistungen im Wert von 2.500 Euro): EINER VON UNS (Regie: Stephan Richter)

Perle – Preis für Frauen in der Filmbranche (1.800 Euro, beste Regisseurin der Sparte Dokumentarfilm aus der Sektion „Extras“):  CAHIER AFRICAIN (Regie: Heidi Specogna)

Schülerfilmpreis 10+ (2.500 Euro): AUF AUGENHÖHE (Regie: Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf)

Schülerfilmpreis 16+ (2.500 Euro): STILLE RESERVEN (Regie: Valentin Hitz)

RuhrPott (1.500 Euro): WELLNESS FÜR PAARE (Regie: Jan-Georg Schütte)


Lüdia
Das Publikum stimmte ab für den Psychothriller FREDDY EDDY, das Debüt von Regisseurin Tini Tüllmann. Freddy Eddy war ein erfolgreicher Maler, bis er seine Frau beim Seitensprung erwischte und krankenhausreif prügelte. So die Kriminalakte. Er selbst leugnet die Tat und spricht von einem Doppelgänger…
Die Lüdia ist mit 10.000 Euro dotiert und wird gestiftet von Familie Höwing, der Remondis AG & Co.KG und den Stadtwerken Lünen.


Erste Hilfe
Den Wettbewerb für kurze Kurzfilme „Erste Hilfe“ gewinnt Tarek Roehlinger mit dem Spielfilm UN ÉTAT D’URGUNCE. Er ist angesiedelt im Frankreich nach den Pariser Anschlägen im November 2015: Ein herrenloser Koffer erregt das Misstrauen von zwei Soldaten. Tarek Roehlinger erhält am Abend den mit 1.600 Euro dotierten Preis, gestiftet von den Lüner Apotheken Brüning. Außerdem erhält der Film eine von submarines – subtitling & translation gesponserte Untertitelung.


Erster Gang
Der Preis für den besten mittellangen Kurzfilm „Erster Gang“ geht an AM ENDE DER WALD. Der Spielfilm von Felix Ahrens spielt in einem Grenzgebiet, in dem eine Polizistin einen vermeintlichen Drogendealer erschießt. Ahrens erzählt von Schuld, Sühne und Zweifel. Ausgezeichnet mit dem Studenten-Oscar 2016.
Der mit 2.400 Euro dotierte Preis wird von Lüner Firmen gestiftet.


Kinder- und Jugendfilmpreis RAKETE
Der Publikumspreis RAKETE geht an AUF AUGENHÖHE von Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf. Die sensible Tragikomödie erzählt von der Suche des 10jährigen Halbwaisen Michi nach seinem Vater, die in einer Überraschung endet – Michi steht einem Kleinwüchsigen gegenüber. Ein wunderbar zeitgemäßer Kinderfilm über Freundschaft, Loyalität und Identitätsfindung. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert, gestiftet von Lüner Familie.


HWG Drehbuchpreis
Der Drehbuchpreis geht an die Beziehungs-Tragikomödie DIE HANNAS und seine Autorin und Regisseurin Julia C. Kaiser. Sie erzählt vom Einbruch zweier wilder Kreaturen in das lethargische, aber auch würdevolle Leben dieses Pärchens ‚Die Hannas’, das schon seit vielen Jahren eine Einheit bildet. Die Jury war mit Jan Bonny (Regisseur), Therese Hämer (Schauspielerin), Micha Lewinsky (Drehbuchautor und Regisseur) besetzt. In ihrer Jurybegründung heißt es: „Verspielt und ohne falsche Angst erzählt Julia C. Kaiser einen Ausbruch aus zwar harmonischer, aber festgefahrener Beziehung. Sicherheit wird gegenüber Freiheit verhandelt, Vertrautheit gegenüber Erotik. Die humorvolle Erzählung lässt ihren Figuren großzügig den Raum, den sie brauchen, den Film zu einem lebendigen Kosmos zu machen. Die Erzählerin schafft mit ihrem Personal eine eigene Welt, ein eigenes Universum.“

Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird von der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion gestiftet.

Die Jury vergibt lobende Erwähnungen an die Filme DIE EINSIEDLER (Regie: Ronny Trocker) und DAS LEBEN DREHEN – WIE MEIN VATER VERSUCHTE DAS GLÜCK FESTZUHALTEN (Regie: Eva Vitija).


Preis für die beste Filmmusik
Der Preis für die beste Filmmusik geht an Maja Osojnik und Matija Schellander für das musikalische Gesamtkonzept von EINER VON UNS (Regie: Stephan Richter). Im Spielfilmdebüt von Stephan Richter ist der Parkplatz eines österreichischen Vorstadt-Supermarktes der einzige Treffpunkt für die Jugend des Ortes. Das Drama spiegelt die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen und deren Freiheitsdrang in stimmungsgeladenen Bildern und einem mitreißenden Soundtrack des Deutsch-Rappers Maeckes wider.

In diesem Jahr wird der Preis von Florian Mischa Böder (Regisseur), Milena Fessmann (DJ, Radiomoderatorin, Musikberaterin), Conrad Oleak (Komponist, Preisträger 2013) vergeben. In ihrer Jurybegründung heißt es: „Vermeintlich unterkühlt erzählt, doch bei genauerer Betrachtung extrem einfühlend, führt uns die Musik souverän in das Innenleben der Jugendlichen: zwischen Kälte und Wärme, zwischen Härte und der Suche nach Liebe, zwischen experimentierfreudigem Score und poetischen Hip-Hop-Tracks. Die Musik ist sehr verbindlich, ergreift Partei und übernimmt damit eine eindeutige Haltung. Sie hat uns als Musikjury sehr überzeugt.

Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird in diesem Jahr erstmals gestiftet von microca Kohlenstäube.


Berndt-Media-Preis für den besten Filmtitel

Der Preis für den besten Filmtitel geht ebenfalls an EINER VON UNS von Stephan Richter. Die Juroren Jan Bonny, Therese Hämer, Micha Lewinsky möchten mit der Vergabe des Preises die Aufmerksamkeit für diesen bemerkenswerten Film erhöhen. Der Preisträgerfilm erhält Marketingleistungen in den Medien des Berndt-Media-Verlags im Wert von 2.500 Euro.


Perle – Preis für Frauen in der Filmbranche
Der Preis für Frauen in der Filmbranche wurde in diesem Jahr für Dokumentarfilm-Regisseurinnen aus der Sektion Extras ausgelobt. Er geht an die Schweizer Regisseurin Heidi Specogna und ihren Film CAHIER AFRICAIN, der als NRW-Premiere beim Kinofest zu sehen war. Am Anfang ihrer dokumentarischen Langzeitbeobachtung stand ein Schulheft mit den Zeugenaussagen von 300 zentralafrikanischen Frauen, Mädchen und Männern. Sie offenbaren, was ihnen 2002 im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen von kongolesischen Söldnern angetan worden war. Der Preis wird von den Juror_innen Ulrike Franke (Regisseurin), Michael Kupczyk (Regisseur) und Dr. Mirela Oktrova (Festivalleiterin) vergeben, die ihre Entscheidung wie folgt begründen: Heidi Specogna schafft es uns für zwei Stunden in eine Welt voller Gewalt und Hoffnungslosigkeit zu versetzen, in der nichts von unseren westlichen Grundwerten und Selbstverständlichkeiten gilt. Die Regisseurin konfrontiert uns mit starken Protagonistinnen, deren Schicksal durch Verschulden von Unstaatlichkeit und Unmenschlichkeit zerstört und deren Existenz beinahe vernichtet wird. Zwischen ihnen und dem Zuschauer entsteht eine unglaubliche Nähe! Trotz des vagen Hoffnungsschimmers am Ende des Films bleibt die Ungewissheit bestehen: wird diesen Menschen jemals Gerechtigkeit wiederfahren? Ein Plädoyer für die Menschlichkeit!

Der Preis ist mit 1.800 Euro dotiert und wird gestiftet von Lüner Unternehmerinnen.


Schülerfilmpreis 10+
Maleen Bensing, Fynn Malte Bergmann, Nina Bungart, Kilian Flottau, Vian Malayahya, Paula Rumpf, die Mitglieder der Schülerjury 10+, zeichnen ebenfalls AUF AUGENHÖHE von Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf aus. Die junge Jury fand den Film spannend, berührend, traurig und lustig. Er zeigt, dass Freundschaft mit jedem möglich ist. Wir wollen diesen Film empfehlen, damit möglichst viele Kinder und Jugendlichen ihn sehen, weil er ein so wichtiges Thema behandelt. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird gestiftet Michael Makiolla, Landrat des Kreises Unna.


Schülerfilmpreis 16+
Paula Busch, Türkan Hajzada, Florida Haklaj, Leandra Schröder, Henri Stephan und Fabian Wesenberg, die Mitglieder der Schülerjury 16+, zeichnen das Science-Fiction-Drama STILLE RESERVEN von Valentin Hitz aus. Im Wien der nahen Zukunft hat ein Versicherungskonzern ein System geschaffen, in dem die Menschen nicht einmal ein Recht auf ihren eigenen Tod haben. Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: Valentin Hitz schafft eine beklemmende Zukunftsvision, welche sowohl spannend als auch bildgewaltig den Zuschauer zum nachdenken anregt.
Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird gestiftet Michael Makiolla, Landrat des Kreises Unna.


RUHRPOTT- Leser_innen-Preis
Zum sechsten Mal wird der Preis der Ruhr Nachrichten, der mit 1.500 Euro dotierte Ruhrpott, von einer Leser_innen-Jury vergeben. Aus den Fernsehfilmen der Sektion „Extras“ haben sie die Komödie WELLNESS FÜR PAARE von Jan-Georg Schütte als beste Produktion ausgewählt: Fünf Paare mittleren Alters haben eine Frischzellenkur gebucht. Das hochkarätige Ensemble ist mit Anke Engelke und Sebastian Bloomberg, Anneke Kim Sarnau und Bjarne Mädel, Devid Striesow u.a. besetzt. Die Jury hob besonders die Improvisations-Methode Schüttes, die herausragende Schauspielkunst und die beeindruckende Bandbreite der Charaktere, die ein enormes Identifikationspotential bieten, hervor. Der Preis wird am Abend von Alexandra Haag, Juliane Neumann, Joachim Küstner und Jan Schmitt vergeben.

 

Die Kinofest-Leiter Michael Wiedemann und Kathrin Bessert und ihr Team beschließen mehr als zufrieden die 27. Ausgabe des Festivals, bedanken sich beim Publikum, allen Förderern, Sponsoren und Unterstützern und freuen sich auf das nächste Festival im November 2017.