Boxerdrama HERBERT war großer Erfolg in der JVA Werl

Das Kinofest Lünen zeigte erstmals einen Film in einer Justizvollzugsanstalt. Regisseur Thomas Stuber und Co-Produzent Anatol Nitschke diskutierten mit rund 70 Häftlingen.

Das Kinofest Lünen geht immer wieder neue Wege und präsentierte im Rahmen seiner 27. Ausgabe am vergangenen Freitag erstmalig einen Film in der Justizvollzugsanstalt Werl. In der als Veranstaltungsraum genutzten ehemaligen Gefängniskirche sahen rund 70 inhaftierte Männer das vielfach auszgezeichnete Drama HERBERT über einen unheilbar an ALS erkrankten Boxer (Peter Kurth). Im Anschluss diskutierten sie mit Regisseur Thomas Stuber und Co-Produzent Anatol Nitschke, die eigens aus Leipzig und Berlin angereist waren, um sich – in dieser auch für sie  ungewohnten Kinosituation – den Fragen und Rückmeldungen der Gefangenen zu stellen.

Offensichtlich hatte der Flm einen Nerv getroffen. Bis zum Ende blieb es mucksmäuschen still im Saal, und die Insassen stiegen anschließend sofort in ein intensives, rund einstündiges Filmgespräch ein. Die Männer zogen Parallelen vom Anti-Helden Herbert zu ihrer eigenen Situation im Strafvollzug: Was macht die Stärke eines Mannes aus, und wieviel Schwäche kann man sich im Knast leisten? Sind die Sequenzen im Mileu Klischee oder dramaturgische Notwendigkeit? Einmütig lobten sie die sensationelle schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers Peter Kurth und die Haltung des Films. Als sich die Runde auflöste, dankten viele Häftlinge mit Handschlag persönlich den Festivalgästen. „Ihr habt uns emotional aufgeweckt“, sagte sichtbar gerührt ein Gefangener mit lebenslanger Haftstrafe und die Gäste verließen nach drei Stunden ebenso bewegt das Gefängnis. „Eine sehr gute Aktion“ resümmierte Anatol Nitschke und bedankte sich für die Erfahrung.

Initiiert wurde Vorstellung von der Bochumer Kuratorin Betty Schiel, die Film- und Kulturprojekte in Gefängnissen organisiert und Maria Look, Leiterin der JVA Werl, von der Idee überzeugen konnte. Festivallleiter Michael Wiedemann zeigte sich begeistert über die ungewöhnliche Kinofest-Außenstelle „Ich könnte mir kaum einen geeigneteren Film für diese Begegnung vorstellen als HERBERT. Es war toll, dass sich die JVA darauf eingelassen hat. Das Projekt wollen wir gerne fortsetzen.“